Publikationsübersicht Lyme-Borreliose

(Epikrisen in deutscher Übersetzung von W. Berghoff)


2016

Hide and Seek: How Lyme Disease Spirochetes Overcome Complement Attack. 

Kraiczy P. Front Immunol 2016; 7:385.

 

Review über den aktuellen Wissensstand bezüglich der Fähigkeit von Bb, sich dem Komplementsystem des Wirtsorganismus zu entziehen. Bestimmte Bb- Oberflächenproteine (BBK32, CspA, BGA66, BGA71) beeinträchtigen direkt das Komplementsystem. Eine zweite Gruppe von Molekülen (CD59-like Protein oder sonstige Moleküle) hemmen das Komplementsystem indirekt, indem sie Komplementregulatoren (Faktor H, Faktor H-like Protein 1 (FHL-1), Faktor H-related Protein (FHR-1, FHR-2 oder C4Bp) binden. Die zweite Gruppe (die die Bindung von Komplementregulatoren bewirken) werden den CRASPs zugeordnet (complement regulator-acquiring surface proteins). Diese CRASPs bestehen aus CspA, CspZ, ErpA, ErpC, ErpP und einem noch nicht identifizierten Protein p43.

Lyme disease: the promise of Big Data, companion diagnostics and precision medicine. 

Stricker RB, Johnson L. Infect Drug Resist 2016; 9:215-9.

 

Über 300.000 Patienten erkranken jährlich an Lyme-Borreliose in den USA. Bei zwei Drittel der Fälle ist die konventionelle 30 Jahre alte antibiotische Behandlung nicht effektiv. Benötigt werden verbesserte diagnostische Tests und eine neu zu entwickelnde Behandlung. Es sollte eine so genannte „Designer Drug“ entwickelt werden nach Prinzipien wie z.B. bei HIV und Hepatitis C.

Autoimmune Arthritides, Rheumatoid Arthritis, Psoriatic Arthritis, or Peripheral Spondylarthropathy, Following Lyme Disease. 

Arvikar SL, Crowley JT, Sulka KB, Steere AC. Arthritis Rheumatol 2016; doi: 10.1002/art.39866.

 

Aus einer großen Patientengruppe einer Klinik für Lyme-Arthritis über einen Zeitraum von 13 Jahren wurden 30 Patienten identifiziert, die an einem Erythema migrans erkrankt waren und antibiotisch behandelt wurden. Diese aus den Akten herausgefundenen 30 Fälle entwickelten etwa vier Monate nach Lyme-Borreliose Autoimmungelenkerkrankungen: rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondylarthritis. Behandlung mit DMARDs führten zur Besserung.

Steroid use in Lyme disease-associated facial palsy is associated with worse long-term outcomes. 

Jowett N, Gaudin RA, Banks CA, Hadlock TA. Larnygoscope 2016; doi: 10.1002/lary.26273.

 

Retrospektive Studie. 51 Patienten mit peripherer Fazialisparese bei LB. Verlaufsbeobachtung im Mittel 15 Monate. Der Einsatz von Kortikoiden bei der akuten peripheren Fazialisparese der LB verschlechtert den Krankheitsverlauf.

Toll-like receptor cascade and gene polymorphism in host-pathogen interaction in Lyme disease.


Rahman S, Shering M, Ogden NH, Lindsay R, Badawi A. J Inflamm Res 2016; 9:91-102.

 

Toll-like Rezeptoren initiieren den immunologischen Erkennungsmechanismus von Bb, die Aktivierung des angeborenen Immunsystems, die Produktion proinflammatorischer Zytokine und die Modulation der immunologischen Antwort. TLRs erkennen zahlreiche Bb-Oberflächenproteine (z.B. OspA, OspB). Von besonderer Bedeutung bei der Lyme-Borreliose sind TLR1 und TLR2. Mehrere Polymorphismen von funktionalen Einzelnukleotiden wurden in TLR-Genen nachgewiesen und waren assoziiert mit einer Veränderung der Zytokin-Typen, des Syntheselevels, einer veränderten Erkennung des Pathogens (Bb) und der Unterbrechung der immunologischen Kaskade. Die weitere Erforschung der Bedeutung der TLRs könnte für das Verständnis des Krankheitsablaufes bedeutend sein und für die Entwicklung neuer therapeutischer Ziele.

Dramatic response to a 3-week course of ceftriaxone in late neuroborreliosis mimicking atypical dementia and normal pressure hydrocephalus.


Topakian R, Artemian H, Metschitzer B, Lugmayr H, Kühr T, Pischinger B. J NeurolSci 2016; 366:146- 8.

 

Einzelfall. Patient mit atypischer Demenz und Normaldruck-Hydrocephalus zeigte eine dramatische Antwort auf eine dreiwöchige Behandlung mit Ceftriaxon im Verlauf einer Neuroborreliose im Spätstadium.

Evidence of In Vivo Existence of Borrelia Biofilm in Borrelial Lymphocytomas. 

Sapi E, Balasubramanian K, Poruri A, Maghsoudlou JS, Socarras KM, Timmaraju AV, Filushi KR, Gupta K, Shaikh S, Theophilus PA, Luecke DF, MacDonald A, Zelger B.Eur J MicrobiolImmunol (Bp) 2016; 6(19):9-24.

 

Biofilme sind gegen Antibiotika hoch resistent. In der Studie dienten Hautbiopsate aus Borrelien-Lymphozytomen. In den Biopsaten ließen sich erhebliche Mengen an Bb und Bb-Aggregaten nachweisen. Nur Aggregate, nicht jedoch einzelne Spirochäten zeigten typische Biofilmmarker wie protektive Lagen aus verschiedenen Mucopolysacchariden, insbesondere Alginat. Zudem wurden im Elektronenmikroskop die typischen Merkmale des Biofilm bei Borrelia / Alginat-positiven Aggregaten nachgewiesen, nämlich innere Kanäle und Oberflächenprotrusionen. In dieser Studie wird erstmalig ein Borrelia-Biofilm im infizierten menschlichen Hautgewebe nachgewiesen.

Ocular Lyme borreliosis as a rare presentation of unilateral vision loss. 

Patterson-Fortin J, Kohli A, Suarez MJ, Miller PE. BMJ Case Rep 2016; doi:10.1136/bcr-2016-215307

 

Einzelfall. 80-jährige Patientin bei der innerhalb eines Monats ein unilateraler schmerzloser zentraler Visusverlust auftrat. Nach intravenöser antibiotischer 

Behandlung für fünf Wochen zeigte sich keine weitere Progression des Visusverlustes, das Makulaödem bildete sich zurück.

Cimetidine as a noval adjunctive treatment for early stage Lyme disease. 

Shemenski J. Med Hypotheses 2016; doi: 10.1016/j.mehy.2016.03.015.

 

Es existieren zahlreiche Studien die eine Persistenz von Bb trotz Behandlung belegen. Dabei spielen verschiedene Persistenz-Eigenschaften von Bb eine Rolle: Polymorphismus, Variation des Antigen, Biofilm-Bildung, Persisterzellen und Immunmodulation. – Eine optimale Immunantwort erfordert eine robuste Reaktion von TH1. Cimetidin erhöht den Spiegel von TH1-assoziierten Zytokinen: IL-12, TNF- Alpha und IFN-Gamma bei gleichzeitiger Verminderung der TH2-Aktivität sichtbar in der Reduzierung von Zytokin IL-10. Der Autor stellt daher eine Behandlung mit Cimetidin bei der antibiotischen Behandlung der Lyme-Borreliose im Frühstadium zur Diskussion.

Randomized Trial of Longer-Term Therapy for Symptoms Attributed to Lyme Disease. 

Berende A, Hadewych JM, terHofstede MD, Fidel J, van Middendorp H, Bogelaar ML, Tromp M, van den Hoogen FH, Donders ART, Evers AWM, Kullberg BJ. N Engl J Med 2016; 374:1209-20.

 

Hintergrund:

 

(Anm. d. Verf.: Es handelt sich um die so genannte “PLEASE” (persistent Lyme empiric antibiotic study Europe). Gegenstand der Studie war die Überprüfung, ob eine antibiotische Langzeitbehandlung bei persistierenden Symptomen, die einer Lyme-Borreliose zugeordnet wurden, Vorteile (sinngemäß) im Vergleich zu der üblicherweise kürzeren antibiotischen Behandlung hat.

 

Methode:

 

Randomisierte, doppelblind, Placebo-kontrollierte Studie bei (antibiotisch vorbehandelten) europäischen Patienten mit persistierenden Symptomen, die auf eine Lyme-Borreliose zurückgeführt wurden. Die Diagnose stützte sich auf eine vorübergehende bewiesene Lyme-Borreliose oder eine begleitende positive Serologie. Die (bereits vorbehandelten) Patienten erhielten eine zweiwöchige Behandlung mit Ceftriaxon 2 g / Tag und anschließend orale antibiotische Behandlung für 12 Wochen mit Doxycyclin 100 mg 2 x täglich bzw. Clarithromycin 500 mg + Hydroxychloroquin 200 mg 2 x täglich oder Placebo. Die primäre Unter- suchung des Behandlungsergebnisses (outcome) betraf die Gesundheits-bezogene Lebensqualität, die mittels eines summarischen Score die körperliche Komponente erfasste (RAND-36). Die Untersuchungen erfolgten nach der zweiwöchigen Behandlung mit Ceftriaxon, zu Ende der anschließenden zwölfwöchigen Behandlung mit den o.g. oralen Antibiotika bzw. nach Einsatz von Placebo.

 

Ergebnisse:

 

280 (vorbehandelte) Patienten. Primär nachbehandelt mit Ceftriaxon 2 g / Tag für 2 Wochen, danach für 12 Wochen antibiotische Langzeitbehandlung bei 86 Patienten mit Doxycyclin, 96 mit Clarithromycin + Hydroxychloroquin, 98 mit Placebo. Zu Ende der Behandlung unterschied sich der SF-36 summary score bei den drei Gruppen nicht signifikant.

 

Schlussfolgerung:

 

Bei Patienten mit persistierenden Symptomen, bezogen auf Lyme-Borreliose, führt eine antibiotische Langzeitbehandlung zu keinem therapeutischen Vorteil.

 

Probanden-Auswahl:


Patienten aus den Niederlanden. Dauer der Studie 2010-2013.

 

Einschlusskriterien:

 

Persistierende Symptome, die auf eine Lyme-Borreliose bezogen wurden Muskelskelettschmerzen
Arthritis 

Arthralgien
Neuralgien

Sensibilitätsstörungen

Dysästhesien

Neuropsychologische Störungen

Kognitive Störungen 

Fatigue
Symptome waren zeitweise bei bestehendem Erythema migrans vorhanden

Symptome bestanden bei bewiesener Lyme-Borreliose (ohne EM)

Symptome waren begleitet von positiver Serologie

 

Ausgangsdaten:

 

(Anm. d. Verf.: Die Häufigkeit der nachfolgenden Daten war in den drei Gruppen, d.h. in der Doxycyclin-Gruppe, Clarithromycin-Hydroxychloroquin-Gruppe und in der Pla- cebo-Gruppe annähernd gleich. Die kalkulierten Mittelwerte werden im Folgenden angegeben). 

Arthralgie 85%
Muskelskelettschmerzen 75%

Sensibilitätsstörungen 75%
Neuralgie 15%
Neurokognitive Symptome 80%
Fatigue 90%
Dauer der Symptome 2,5 Jahre

Anamnestische Hinweise auf Zeckenstich 55%

Erythema migrans 28%
Acrodermatitis chronica atrophicans 1%

Meningoradikulitis 5%

 

Vorausgehende antibiotische Behandlung und Serologie:

 

Dauer der antibiotischen Vorbehandlung 35 Tage

Anzahl der antibiotischen Zyklen 2 

Intravenöse Behandlung bei 15%

Seropositivität
IgM 30%
IgG 60% 

RAND SF-36 score
(Bereich 15-61 (Normwert der gesunden Bevölkerung 50))

Körperlicher Zustand 31
Mentaler Zustand 37
Körperliche Funktion 38
Schmerzen 37
Genereller Gesundheitszustand 35
Sozialfunktion 33
Vitalität 38
Fatigue 44

 

(Anm. d. Verf.: Es bestand also eine mäßiggradige Beschwerdesymptomatik bei allen drei untersuchten Gruppen. Eine Änderung wurde durch die Behandlung mittels Ceftriaxon und anschließender oraler Antibiose nicht erreicht. Unterschiede zur Placebo-Gruppe ergaben sich nicht. Die Probanden in den Placebo-Gruppe wiesen also die selbe Beschwerdesymptomatik auf wie in den Antibiotika-Gruppen (vgl. Ausgangsdaten). In der Publikation wird nicht erläutert, welche Ursachen (Krankheiten) diesen Beschwerden und Symptomen in der Placebo-Gruppe zu Grunde lagen. Ceftriaxon wirkt nur im Extrazellularraum und erreicht Bb nicht bei intrazellulärer Lokalisation. Grundsätzlich ist festzustellen, dass keine Evidenz- basierten Studien zur Effizienz verschiedener Antibiotika bei der Lyme-Borreliose im Spätstadium vorliegen. Doxycyclin und Clarithromycin sind zur Behandlung der Lyme-Borreliose im Spätstadium nicht geeignet. Beide Substanzen sind nicht liquorgängig und erreichen somit nicht den Krankheitserreger im zentralen Nervensystem, ein wesentlicher Aufenthaltsort von Borrelia burgdorferi in der Spätphase. Zudem ist bekannt, dass Doxycyclin in vitro die Anzahl der spirochätalen Borrelien lediglich reduziert, andererseits die Anzahl antibiotikaresistenter Formen (Round Bodies, Persister) auf das 3-fache erhöht.

 

Die therapeutische Effizienz von Hydroxychloroquin ist nicht belegt. Die vorliegende Studie prüft also tatsächlich die Effizienz von Ceftriaxon und anschließender oralen Langzeitantibiose mit Doxycyclin bzw. Clarithromycin bei der Lyme-Borreliose im Spätstadium. Wie zu erwarten, wurde durch diese beiden (unwirksamen) Medikamente keine Besserung erzielt. Da unwirksame Medikamente zum Einsatz kamen, lässt die Studie keine generelle Aussage zur Effizienz einer antibiotischen Langzeitbehandlung zu).

The diagnostic accuracy of serological tests for Lyme borreliosis in Europe: a systematic review and meta-analysis. 

Leeflang MMG, Ang CW, Berkhout J, Bijlmer HA, Van Bortel W, Brandenburg AH, Van Burgel ND, Van Dam AP, Dessau RB, Fingerle V, Hovius JWR, Jaulhac B, Meijer B, Van Pelt W, Schellekens JFP, Spijker R, Stelma FF, Stanek G, Verduyn-Lunel F, Zeller H, Sprong H. BMC Infectious Diseases 2016; 16:140.

 

Abstract:

 

Die Interpretation von serologischen Befunden bei der Lyme-Borreliose setzt Verständnis bezüglich der klinischen Indikation und der Limitation der vorhandenen serologischen Tests voraus. In der Studie wurde systematisch die Korrektheit serologischer Tests für die Diagnose einer Lyme-Borreliose (in Europa) untersucht. Die Studie stützt sich auf Publikationen, die über Medline erfasst wurden. Bei der Auswahl der Studien wurden zur Qualitätsüberprüfung die QUADAS-2 Checkliste benutzt. Mögliche Quellen für Heterogenität waren Testtyp (kommerziell oder Labor- eigen), IgG-Typ, Antigen-Typ und Studienqualität.

 

78 Publikationen über die Ergebnisse bei ELISA und Immunoblot wurden einbezogen und gegen einen Vergleichsstandard bezüglich klinischer Kriterien abgeglichen. Keine der geprüften Publikationen hatte ein geringes Risiko hinsichtlich Fehleinschätzung. Die Angaben zur Sensitivität waren hochgradig heterogen. Bei pauschaler Beurteilung ergaben sich bei verschiedenen klinischen Konstellationen folgende Sensivitäten: bei Erythema migrans 50%, Neuroborreliose 77%, Acrodermatitis chronica atrophicans 97% und bei unspezifischer LB 73%. Die Spezifität lag bei Studien mit gesunden Kontrollpersonen bei 95%, sonst bei 80% (cross-sectional studies, klinische Verlaufsbeobachtung).

 

Die in den Studien beobachtete Heterogenität und das Risiko der Fehleinschätzung komplizierte die Extrapolation hinsichtlich der klinischen Verwertbarkeit. Der Nutzen serologischer Tests bei der LB hängt vom prädiktiven Wert in der gegebenen Situation ab. Zukünftige Studien über die diagnostische Wertigkeit serologischer Untersuchungen sollten in prospektiv geplanten cross-sectional studies durchgeführt werden, also in Situationen, in denen die serologischen Tests in praxi genutzt werden.

 

Schlussfolgerung: 

 

Die Daten erlauben keine Beurteilung hinsichtlich der diagnostischen Wertigkeit von ELISA vs Immunoblot und keine valide Einschätzung von Sensivität und Spezifität. Eine valide Einschätzung erfordert cross-sectional studies (klinische Ver- laufsbeobachtung) mit gutem Design, durchgeführt an einer relevanten klinischen Patientenpopulation. Überdies sind Informationen erforderlich über die Prävalenz der Lyme-Borreliose bei den untersuchten Patienten und die klinischen Konsequenzen eines negativen oder positiven serologischen Befundes. (Sinngemäß): Die diagnostische Bedeutung des serologischen Tests hängt von seinem Stellenwert bei der klinischen Analyse ab. Zukünftige Studien sollten die serologischen Tests durch klinische Daten validieren und auf diese Weise die diagnostische Wertigkeit der Serologie definieren.

 

(Anm. d. Verf.: Die Studie zeigt, dass bei der Lyme-Borreliose mit einer Seronegativität von etwa 30% zu rechnen ist. Entscheidend ist jedoch die Tatsache, dass ein positiver serologischer Befund lediglich die stattgehabte Infektion belegt, grundsätzlich aber keine Aussage zu Existenz und Ausmaß der Krankheit (Lyme- Borreliose) zulässt. Die Zielsetzung der Studie, den prädiktiven Wert eines pathologisch serologischen Befundes für die Existenz einer Lyme-Borreliose (Krankheit) zu überprüfen, geht also ins Leere, da der serologische Befund, sowohl positiv wie negativ, zur Diagnose der Lyme-Borreliose nicht beiträgt. Die angeblich hohe Sensivität serologischer Untersuchungen bei der Acrodermatitis chronica atrophicans ist durch systematische Studien nicht belegt. Überdies ist die Diskussion des serologischen Befundes bei ACA unnötig, da die klinisch oder histologisch diagnostizierte ACA für sich alleine bereits für die Lyme-Borreliose im Spätstadium krankheitsbeweisend ist und somit der serologische Befund keinen zusätzlichen diagnostischen Nutzen hat).

Statins reduce spirochetal burden and modulate immune responses in the C3H/HeN mouse model of Lyme disease.


Van Laar TA, Hole C, RajasekharKarna SL, Miller CL, Reddick R, Wormeley FL, Seshu J. Microbes Infect 2016; 18(6):430-5.

 

Die 3-Hydroxy-3-Methyl-Glutaryl-Koenzym A Reduktase ist für den Mevalon-Säure bypath funktionell limitierend, der zur Bereitstellung von Komponenten für die Zellwand-Biogenese beiträgt. Statine modulieren diesen Immunmechanismus. Entsprechend zeigt sich in vitro, dass Statine Bb hemmen. Im Tierexperiment (Maus) wurde die Bakterienlast reduziert und das Immunsystem im Hinblick auf die Elimination der Spirochäten begünstigt.

Larvae of Ixodes ricinus transmit Borrelia afzelii and B. miyamotoi to vertebrate hosts.


Van Duijvendijk G, Coipan C, Wagemakers A, Fonville M, Ersöz J, Oei A, Földvári G, Hovius J, Takken W, Sprong H. ParasitVerctors 2016; 9:97.

 

Borrelia miyamotoi kann transovarial übertragen werden, während dies für Bb noch nicht nachgewiesen wurde. Die Studie zeigt, dass B. afzelii und B. miyamotoi durch Larven von Ixodes ricinus auf Mäuse übertragen werden. Die Autoren sind der Ansicht, dass Larven auch beim Menschen die Infektion übertragen können.

Isolation of live Borrelia burgdorferi sensu lato spirochetes from patients with undefined disorders and symptoms not typical for Lyme borreliosis.


Rudenko N, Golovchenko M, Vancova M, Clark K, Grubhoffer L, Oliver JH Jr. ClinMicrobiol Infect 2016; 22(3):267.

 

Einzelfall. Untersuchung an Patienten mit Verdacht auf Lyme-Borreliose. Antibiotische Behandlung, Seronegativität. Kulturell nachgewiesen wurde B. bissettii. Dieser Erreger ist weltweit verantwortlich für die humane Lyme-Borreliose zusammen mit B. burgdorferi.

Prevalence and spectrum of residual symptoms in Lyme neuroborreliosis after pharmacological treatment: a systematic review.


Dersch R, Sommer H, Rauer S, Meerpohl JJ. J Neurol 2016; 263(1):17-24.

 

Es besteht eine Kontroverse bezüglich residualer Symptome nach pharmakologischer Behandlung der Lyme-Neuroborreliose. Bei Verlaufsbeobachtungen (7 Tage bis zu 20 Jahren) liegen bei 28% der Fälle residuale Symptome vor. Bei einer möglichen LNB kommen residuale Symptome weniger häufig vor als bei einer wahrscheinlichen LNB. Behinderung infolge Fatigue und kognitiver Beeinträchtigung nach LNB („Post-Lyme-Syndrom“) könnten einen Artefakt infolge unspezifischer Falldefinition darstellen.

Controversies in Persistent (Chronic) Lyme Disease. 

Maloney EL. J InfusUrs 2016; 39(6):369-375.

 

Das CDC schätzt, dass die Inzidenz der Lyme-Borreliose in den USA mehr als 300.000 beträgt. 10 bis 20% dieser Patienten bleiben trotz adäquater antibiotischer Behandlung symptomatisch. Die Zusammenhänge sind ungeklärt und haben eine kontroverse Diskussion hervorgerufen.

Steroid use in Lyme disease-associated facial palsy is associated with worse long-term outcomes. 

Jowett N, Gaudin RA, Banks CA, Hadlock TA. Laryngoscope 2016; doi: 10.1002/lary.26273.

 

Retrospektive Studie (2002-2015). 51 Patienten mit peripherer Fazialisparese bei akuter Lyme-Neuroborreliose. Bei Zusatz von Kortikoiden und / oder Virostatika ist der Krankheitsverlauf der Fazialisparese ungünstiger als bei alleiniger antibiotischer Therapie.

Identification of a novel pathogenic Borrelia species causing Lyme borreliosis with unusually high spirochaetaemia: a descriptive study. 

Pritt BS, Mead PS, Johnson DK, Neitzel DF, Respicio-Kingry LB, Davis JP, Schiffman E, Sloan LM, Schiefer MR, Replogle AJ, Paskewitz SM, Ray JA, Bjork J, Steward CR, Deedon A, Lee X, Kingry LC, Miller TK, Feist MA, Theel ES, Patel R, Irish CL, Petersen JM. Lancet Infect Dis 2016; 16(5):556-64.

 

Nachweis einer weiteren pathogenen Genospezies von Bb s.l. Nachgewiesen im Mittelwesten der USA. Bezeichnung: Borrelia mayonii.

Borrelia burgdorferi BBK32 Inhibits the Classical Pathway by Blocking Activation of the C1 Complement Complex.


Garcia BL. Zhi H, Wager B, Höök M, Skare JT. PLoS Pathog 2016; 12(1):e1005404.

 

Erster Bericht über ein Protein von Borrelia burgdorferi, nämlich Lipoprotein BBK32, das den klassischen Weg des angeborenen Immunsystems hemmt und zwar durch Bindung an den auslösenden C1-Komplex des Komplementsystems.

BGA66 and BGA71 facilitate complement resistance of Borrelia bavariensis by inhibiting assembly of the membrane attack complex.


Hammerschmidt C, Klevenhaus Y, Koenigs A, Hallström T, Fingerle V, Skerka C, Pos KM, Zipfel PF, Wallich R, Kraiczy P. Mol Microbiol 2016; 99(2):407-24.

 

Borrelia bavariensis führt oft zu neurologischen Manifestationen bei Menschen. B. bavariensis bindet keine Komplementregulatoren. BGA66 und BGA71 hemmen den alternativen oder klassischen Weg des angeborenen Immunsystems. Diese Moleküle binden sich an C7, C8 und C9 des Komplementkomplexes.

Epitope-Specific Evolution of Human B Cell Responses to Borrelia burgdorferi VlsE Protein from Early to Late Stages of Lyme Disease. 

Jacek E, Tang KS, Komorowski L, Ajamian M, Probst C, Stevenson B, Wormser GP, Marques AR, Alaedini A. J Immunol 2016; 196(3):1036-43.

 

Es besteht eine Assoziation der Immunreaktivität gegenüber spezifischen VlsE- Sequenzen und verschiedenen Phasen der Lyme-Borreliose. Eine systematische Dokumentation detaillierter Epitope könnte einen Beitrag zur Stadieneinteilung leisten.

A prospective study on the incidence of Borrelia burgdorferi sensu lato infection after a tick bite in Sweden and on the Aland Islands, Finland (2008-2009). 

Wilhelmsson P, Fryland L, Lindblom P, Sjöwall J, Ahlm C, Berglund J, Haglund M, Henningsson AJ, Nolskog P, Nordberg M, Nyberg C, Ornstein K, Nyman D, Ekerfelt C, Forsberg P, Lindgren PE. Ticks Tick Borne Dis 2016; 7(1):71-9.

 

1.546 Personen nach Zeckenstich. 5% (78 / 1.546) entwickelten eine Borrelieninfektion (LB-Diagnose und / oder Serokonversion). Die 78 Patienten waren in 45% von Bb-infizierten Zecken gestochen worden, 55% von nicht-infizierten Zecken. Von den Patienten mit Borrelieninfektion entwickelten 33 eine Lyme- Borreliose, während 45 Personen nur eine Serokonversion aufwiesen. Bei den 33 Patienten mit Lyme-Borreliose waren etwa 30% seropositiv. Unspezifische Symptome wurden bei Bb-Infektion häufiger bemerkt als bei nicht infizierten Personen. Serokonversion trat häufiger auf, wenn die Zecken relativ spät entfernt wurden. Das Risiko einer Lyme-Borreliose nach Zeckenstich ist relativ gering, wächst jedoch mit der Ansaugdauer.

Lyme disease-related intracranial hypertension on children: clinical and imaging findings.


Ramgopal S, Obeid R, Zuccoli G, Cleves-Bayon C, Nowalk A. J Neurol 2016; 263(3):500-7. 

 

7 Patienten (Kinder) mit intracranieller Hypertension bei Lyme-Borreliose. Retrospektive Studie (2004-2014). Bei allen Patienten Pleozytose im Liquor. cMRT zeigte bei 6 Fälle eine Kontrastmittelanreicherung im Bereich verschiedener Hirnnerven. Eine tentorielle Kontrastmittelanreicherung lag bei allen Patienten vor. Zudem bestand eine Erweiterung der Scheide und eine Protrusion des Nervus Opticus. Unter antibiotischer Behandlung bildeten sich bei allen Patienten die Symptome zurück. Bei der Diagnose einer intracraniellen Hypertension durch Lyme- Borreliose hilft der Nachweis einer Kontrastmittelanreicherung im Tentorium oder im Bereich der Hirnnerven sowie die Pleozytose im Liquor.

Serological and molecular evidence for spotted fever group Rickettsia and Borrelia burgdorferi sensu lato coinfections in The Netherlands. 

Koetsveld J, Tijsse-Klasen E, Herremans T, Hovius JW, Sprong H. Ticks Tick Borne Dis 2016; 7(2):371-7. 

 

25% Bb-infizierter Zecken sind coinfiziert mit Rickettsien im Wesentlichen aus der Fleckfiebergruppe, d.h. Rickettsia helvetica und Rickettsia monacensis. Positive Serologie gegen Rickettsien wurde bei 6% von Patienten mit Erythema migrans und bei 21% bei LNB festgestellt. Im Liquor wurden mittels PCR Bb bei 8%, Rickettsia helvetica bei 2% und Rickettsia monacensis bei 0,5% nachgewiesen.

Topical azithromycin for the prevention of Lyme borreliosis: a randomised, placebo-controlled, phase 3 efficacy trial.


Schwameis M, Kündig T, Huber G, von Bidder L, Meinel L, Weisser R, Aberer E, Härter G, Weinke T et al. Lancet Infect Dis 2016; dx.doi.org/10.1016/51473-3099(16)30529-1.

 

Nach Zeckenstich kommt es in 1% bis 5% der Fälle zur Entwicklung einer Lyme- Borreliose. Allerdings könnte die Zahl auch deutlich höher liegen, daher wurde die präventive Wirkung von Azithromycin-Salbe analysiert. - Randomisierte Doppelblindstudie. 10%-ige Azithromycin-Salbe bzw. Placebo wurden zweimal täglich an drei aufeinander folgenden Tagen nach Zeckenstich appliziert und zwar innerhalb von drei Tagen nach Stich. Untersucht wurde die Häufigkeit von Erythema migrans, die Häufigkeit einer Serokonversion oder beides. Eine präventive Wirkung von Azithromycin-Salbe konnte nicht nachgewiesen werden.